Pour Coffee

Ein Herz für besten Kaffeegenuss

Sie hat ihre Berufung gefunden: Andrea Keßler ist Brüh-Barista, lädt seit fünf Jahren Liebhaber des schwarzen Bohnenzaubers zu genussvollen Entschleunigungen ein – auf Wochenmärkten, Festen und Festivals. Mit „Pour Coffee“ betreibt sie von Dortmund aus erfolgreich die Renaissance des Filterkaffees mit speziellem Werkzeug. Die NordHand eG lieferte Mikrokredit, Beratung und ein wertvolles Netzwerk.

Leuchtendes Orange, eine schmucke, freundliche Theke aus Holz, der obere Teil aus Glas. Dahinter steht Andrea Keßler und lässt einen Wasserkessel mit feiner Tülle über einem Keramikfilter kreisen. Sechs dieser kleinen, weißen Filter stehen aufgereiht vor ihr. Das Wasser ist sehr heiß. 86 bis 92 ֯ Grad hat es, erzählt Brüh-Barista Keßler später. Handelsübliche Kaffeemaschinen erreichten gerade mal 65 ֯ Grad. Bereits seit fünf Jahren verzaubert Andrea Keßler ihre Gäste mit Kaffee aus manuellem Aufguss. Auf Wochenmärkten in Dortmund, in Recklinghausen, in Bochum oder auf Festen und Festivals. Pour Over (Aufguss)-Kaffee liegt im Trend. Aus der englischen Übersetzung kreierte sie ihren Firmennamen „Pour Coffee“.

NordHand eG finanziert Verkaufswagen

Eine Freundin hatte die Idee aus New York mitgebracht und Andrea Keßler, die Kaffeeliebhaberin, ein Genussmensch wie man ihn sich vorstellt, war sofort begeistert. Nur ihre Hausbank nicht. „Gründungsideen, die etwas exotischer sind, haben es bei herkömmlichen Banken schwer“, weiß sie aus bitterer Erfahrung. Die NordHand eG half. „Frank Lunke und Jörg Beier sind von vorneherein offen für Leute mit spannenden Ideen“, sagt sie. Schnell und unkompliziert vermittelten die beiden ihr einen Mikrokredit, mit dem sie den schmucken Verkaufswagen finanzierte. „Wir als Kaffeeliebhaber fanden das Vorhaben toll, zumal sich schon damals abzeichnete, dass Filterkaffee Potenzial besitzt“, erklärt Frank Lunke. Ein Genosse aus dem Netzwerk der NordHand eG übernahm die orangefarbene Folierung mit den weißen Wiesenblumen. Auch die Beratung für den Businessplan fand die 49-Jährige hier. „Und immer wieder gibt es wichtige Tipps.“

Anders als Omas Aufguss

Die Renaissance des Filterkaffees kommt an. „Er schmeckt viel aromatischer, hat Qualität, ist nicht so eine Nullachtfünfzehn-Brühe wie die aus dem Vollautomaten“, sagt Sylvia Dahlmann, 39 Jahre alt, die seit zwei Jahren zu Andrea Keßlers Stammkundinnen zählt. Man duzt sich, langjährige Gäste haben sogar orangefarbene Kaffeebecher mit dem eigenen Vornamen darauf. Schließlich ist Aufguss nicht gleich Aufguss. Nur äußerlich stimmen die Utensilien mit denen aus Großmutters Zeiten überein: heißes Wasser, Papier- und Keramikfilter plus Kaffeepulver. „Schon der Filter ist ein anderer, besitzt einen Sechzig-Grad-Winkel und läuft spitz zu“, erklärt die Kaffee-Expertin. Aus Japan stammt er ebenso wie der Wasserkessel, der mit der feinen Tülle und dem Aussehen einer zierlichen Gießkanne.

Spezieller Gießvorgang

Und: Das heiße Wasser wird nicht einfach so in die Mitte des Filters gegossen, wie Großmutter es noch machte. Brüh-Barista gießen es wohl portioniert in gleichmäßigen Kreisbewegungen auf das Kaffeepulver. „So kommen die Aromen des Kaffees stärker zur Geltung“, weiß Keßler, die sich viel von anderen Kaffee-Sommeliers abgeschaut hat. „Je nach Sorte vergehen so etwa zwei Minuten, bis der Kaffee fertig ist.“ Wählen können die Kunden zwischen Arabica-Kaffees aus Indien, Guatemala, Äthiopien oder Brasilien sowie zwischen zwei Espresso-Sorten, dem kräftigen Reinstoff und dem milden Ruhrgold. Alles bio und fair gehandelt,  auch die angebotenen Tees und Limonaden. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann Kaffees und Zubehör direkt am Stand erstehen oder online. Zum Getränk gibt es übrigens leckere Waffeln. „Ich habe Belgische Waffeln – Brüsseler Waffeln aus Rührteig, die eckigen mit den tiefen Rippen, und Lütticher Waffeln aus Hefeteig mit Hagelzucker, der im Waffeleisen karamellisiert.“

Erfolgreiche Unternehmerin

Bislang hat Andrea Keßler, die an der Ruhr-Universität Bochum einst Geschichte und Kunstgeschichte studierte und dort lange Jahre als Mitarbeiterin tätig war, ihre Entscheidung nicht bereut. „Der Umgang mit meinen Gästen ist spannend, ich lerne gerne neue Leute kennen“.  Außerdem sei jeder Markt, jedes Fest anders. Und sie ist erfolgreich, kann seit anderthalb Jahren von „Pour Coffee“ leben und beschäftigt eine feste Teilzeitkraft sowie sieben Minijobber.

www.pour-coffee.de

 

Project Details